PURIFICATIO DER                                                BELEIDIGBARKEIT:                                 WUT ZEIGT SICH

 

"Viele Menschen  fühlen sich ohnmächtig andern gegenüber. Sie können sich nicht wehren gegenüber dem Chef, dem Ehepartner, dem Arbeitskollegen, der sie verletzt. Sie sind machtlos den Sticheleien und Verwundungen ausgeliefert. Da kann die Wut ein wichtiges Medikament sein, das uns von der Ohnmacht gegenüber anderen befreit. Die Wut ist die Kraft, mich vom andern zu distanzieren, den anderen, der mich verletzt hat, aus mir hinauszuwerfen." (Grün Anselm, Selbstwert entwickeln - Ohmacht meistern. Spirituelle Wege zum inneren Raum. Kreuz Vlg. 1995, 115)

 

"Wenn man Wut verstehen möchte, sollte man auch den Ort betrachten, an dem die Emotion entsteht: unser Gehirn. Verschiedene Regionen spielen hier eine Rolle. Gemeinsam reagieren sie als Netzwerk.

Neurowissenschaftler René Hurlemann erforscht an der Bonner Universitätsklinik für Psychiatrie die verantwortlichen Strukturen:

„Da kann man zum Beispiel die Amygdala nennen. Das ist quasi der Sensor in unserem Gehirn, der auf soziale Signale reagiert. Und wenn wir beleidigt werden, wenn wir angegangen werden herablassend, dann ist die Amygdala die Struktur, die zum Beispiel einen Gesichtausdruck registriert und auch den Körper auf eine Reaktion einstellt, noch bevor uns dieser Gesichtsausdruck bewusst wird.“

Die Amygdala sensibilisiert uns in Millisekunden für Gefahren und versetzt das Gehirn in einen Alarmzustand. Der Körper wird auf einen Kampf vorbereitet, Hormone werden ausgeschüttet. Das passiert in den alten Regionen unseres Gehirns, jenen archaischen Strukturen, die früher das Überleben gesichert haben.

„Und gleichzeitig versucht dann der präfrontale Kortex, die Stimme der Vernunft durchzubringen und das, was da schwelend in den unteren, in den älteren Bereichen des Gehirns entsteht, wieder herunter zu regulieren“, sagt Hurlemann. „Das kann manchmal gelingen und manchmal fehlschlagen und dann kann unter Umständen Gefahr in Verzug sein. Das sind dann eben genau die Fälle, wo jemand vielleicht eine Straftat begeht, weil er jemanden schlägt oder umbringt, weil er dann diese Wut nicht mehr hat steuern können.“

Jüngste Forschungen an der Harvard Medical School in Boston und der Columbia University in New York haben ergeben, dass die Funktionalität des präfrontalen Kortex und die Netzwerke in unserem Gehirn nicht nur durch genetische und hormonelle Faktoren bestimmt werden, sondern auch durch das soziale Umfeld, in dem wir aufwachsen.

„Bin ich unterstimuliert, dann kann ich bestimmte Verbindungen, bestimmte Faserbahnen nicht im ausreichenden Maße ausbilden. Bin ich überstimuliert, führt auch das zu Veränderungen dieser Netzwerke“, so Hurlemann. „Es kommt also auf die richtige Dosis an, und es zeigt sich eben, dass ein gewisses Maß an Stresserleben gar nicht so schlecht ist. Also, es geht gar nicht darum, dass man nie Kränkung erlebt, sondern es geht darum, damit dann in einer adäquaten Form umzugehen. Aber wenn die Stimulation, also dieses Lernen nicht erfolgt, dann können sich diese Strukturen auch nicht ausreifen und dann muss das später passieren.“ (https://www.deutschlandfunkkultur.de/emotionsforschung-wer-wut-unterdrueckt-kann-depressiv-werden.976.de.html?dram:article_id=448877)

(Wie) Kann auch Symballesthai-Behandlung helfen? Wenn es um Freisetzung von Qi geht ist Ma 6 (Wangenmechanik) zu empfehlen: dessen Akupressur wird von der Aufforderung an den Klienten begleitet, den Kaumuskel mehrmals anzuspannen und wieder zu entspannen und dabei zu fauchen, zu beißen und zu knurren wie ein Tier. So können im Kiefer festgehaltene Aggressionen gelöst werden. Aber nicht nur das: Das freigesetzte  Qi fließt über den Magenmeridian zu Brust und Bauch, macht den Oberbauch warm und regt eine tiefe und regelmäßige Bauchatmung an. (Eckert Achim, Das Tao der Akupressur und Akupunktur. Die Psychosomatik der Punkte, Stuttgart 2010, 107)

Auf dieser Basis kann dann mittels Ma 7 behandelt werden: "leitet das Qi zum Dritten Auge, Visualisation und Imagination werden angeregt. Die Bilder, die man sieht haben oft eine spirituelle Bedeutung und haben oft mit dem persönlich religiösen Hintergrund zu tun." (Eckert Achim, Das Tao der Akupressur und Akupunktur. Die Psychosomatik der Punkte, Stuttgart 2010, 108) Abgrenzung, auch gegenüber im Namen das Allmächtigen sich gebenden Religiosität wird möglich.