"Wenn ich nun zum Objekt eines fremden Subjekts werde, schäme ich mich. Schamgefühl ist Ausdruck eines Protestes gegen ein Etikett und gleichzeitig dessen Zustimmung. Der Mensch ist das, was er nicht ist, und ist nicht, was er ist.

Dennoch kann mich das Schamgefühl mich dazu veranlassen, zu meinem Wesen zurückzufinden. Ich kann den Andern sodann als Objekt erfassen, doch ich muss darauf Acht geben, ihn als solches zu fixieren. Ansonsten kehrt sich der beschriebene Prozess erneut um." [Strehle Nina, Der Blick und das Schamgefühl in Jean Paul Sartres Werk "Das Sein und das Nichts", München 2002, Grin Verlag (= Dokument Nr. 7072 aus den Wissensarchiven von Grin (grin.com/document/7072) (Abfrage 2.10.2022)]

 

Eine die Tragik [1x] der missbräuchlichen Verwendung von Scham dokumentierende -und daher die Notwendigkeit  von deren Purificatio indizierende-  Geschichte ist die von Tamar, die Tochter Davids, die von ihrem Halbbruder Amnon in eine Falle gelockt, vergewaltigt und weggestoßen wird.[2 Samuel 13] Amnon erträgt es eben nicht als Vergewaltiger da zu stehen. Stattdessen verstößt er die heiratsbegehrende Tamar: blaming the victim. Sie scheint sogar sich noch als Beschämte gefühlt zu haben (sie zerreißt ihren Rock und streut sich Asche aufs Haupt). Ihr Bruder Absalom 'tut da nicht mit' und darüber hinaus meint er durch Tötung von Amnon die rechte Ordnung wieder herzustellen - wie die weitere Geschichte belegt: eine ununterbrechbare Spirale zwischenmenschlicher Tragik.

Vermutlich braucht es daher einen anderen Umgang mit Scham. 

"Wessen wir uns schämen, das decken wir bei uns zu und lieben es nicht ...

Solche sozial bedingte Scham ist nicht mit der natürlichen Scham, das heißt der Zurückhaltung zu verwechseln, die wir manchmal brauchen, um zu uns zu kommen und bei uns zu bleiben.

Menschen, die sich oft vor anderen schämen, sind unfrei, lieben sich nicht, neigen zur Verschmelzung mit idealisierten Bezugspersonen - und zur Depression.

Ihre Wunde ist die der Ungeliebten. ... Das wessen wir uns schämen, ist das Ungeliebte in uns ..., das solange wir uns bloß schämen, seine paradoxe Bedeutung, Wandlungsfähigkeit und Fruchtbarkeit in unserem Leben nicht entfalten kann. ... Nicht zudecken sollen wir die Wunde der Ungeliebten, sondern uns ihr zu-wenden und zu-neigen. Dann kann sie, Fokus unseres Leids, zur Quelle unserer Lebendigkeit werden." [2]

So auch Marks' These, "dass es in der pädagogischen und sozialarbeiterischen Arbeit mit Schülern nicht darum gehen kann, Scham „abzuschaffen“, sondern darum, die Entwicklungsimpulse von Scham-Erfahrungen konstruktiv zu begleiten." [3]

 

Im Rahmen von Symballesthai-Behandlungen geschieht dies aber nicht bloß verbal, sondern eben mit den be-handelnden Möglichkeiten der Massage, näherhin der

 ®                                                     

B.1. PURIFICATIO SCHAMHAFTER                                           BLUTGEFÄSSVERPRESSUNG:                            VASALE  AUTHENTIZITÄT ZEIGT SICH

 Unter 'Blossgestellt' bringt Lilian Klebow in "Reise zurück zu mir", ihren Ärger darüber zum Ausdruck, dass es ihr wie Alicia Key nach einem beschämenden Foto-Shooting ging, nämlich, dass sie sich genauso wenig schützen konnte wie ich damals. ... Als das Magazin-Cover fertig war, stand Alicia Keys mitten in New York einem Foto gegenüber, auf dem sie sich viel zu nackt und viel zu bloßgestellt fühlte. Voller Scham. Nicht sie selbst. Nicht der Mensch, als der sie in der Öffentlichkeit gesehen werden wollte.

Ja, genauso war es mir bei meinem ersten Covershooting auch gegangen. Ein Freund und Kollege rief mich total schockiert an, als er das Cover gesehen hatte, und brachte es auf den Punkt: "Aber das wolltest du doch nie! Du wolltest doch nie so sein!

Da war sie. Die Erinnerung an mich. Mein wahres Ich. Zu dem ich nicht stehe.

...

Ich stand neben mir. Ich schaute mich an, auf diesem Cover. Wer ist das überhaupt? Sieht aus wie ich. Bin aber nicht ich. Verdrängen. Gleich verdrängen. Gleich weitergehen. Schnell daran vorbei. Ich schäme mich." [46]

 

Bolko Pfau analysiert sein eigenes Schamerleben: "Diffus entstand der Verdacht, dass das eigene Schamerleben immer dann auftrat, wenn die ideale Vorstellung vom eigenen Selbst divergierte mit dem idealen Verhalten in Krisen oder in Lebenssituationen, die anders antizipiert waren, als sie dann tatsächlich eintraten." [26] 

Der letzte Satz scheint in Verbindung zu stehen mit Wurmser's These bzgl. der "tragische(n) Dimension des menschlichen Daseins und der menschlichen Kultur überhaupt. Beim Tragischen handelt es sich ... um drei Arten der Absolutsetzung: 1. die Verabsolutierung eines Ideals und damit des Gewissens, das diese Idealforderung als Exekutivgewalt durchsetzen soll, miteinbegriffen die der Gerechtigkeitserwartung   2. die der Affekte, insbesondere des Schmerzes, der Scham und der Schuld  3. die der Verleugnung und auch anderer Abwehrformen." [Wurmser Léon, Die zerbrochene Wirklichkeit. Psychoanalyse als das Studium von Konflikt und Komplementarität, Springer Verlag Berlin Heidelberg 1989, ISBN 978-3-540-18719-6, S.8 ]

 "Verabsolutierung" hebt EINES heraus - und zwar so, als ob es das Einzige wäre: das 'Wimmerl' im Gesicht, der kleine Busen/Penis, der fehlende Schulabschluss ...

Vermutlich ist man damit einer pars pro toto[19] Ideologie unterlegen ... 

 So ergibt sich die SYMBALLESTHAI-Hypothese für Behandlungstyp B:

 

SCHAM, DIE ALS VERBERGUNG OBJEKTIVIERTER NACKTHEIT / SEXUALITÄT FUNGIERT,

SOLLTE ERSETZT WERDEN, 

DURCH SCHAM, DIE AUTHENTISCHES NACKT-SEIN BIRGT

Damit wird -immer dann wenn es um ein nach dem Buch Genesis verstandenes "Erkennen", also um die Frage nach gelingender Erotik geht (insbes. wird dies in der Phase des Einander-Kennenlernens interessant sein)- möglich, zu prüfen, wem man sein Herz schenkt.

Das Spüren der eigenen vasalen Libido bedeutet ja eben nicht, dass dies im begehrten Gegenüber  ebenfalls der Fall ist. Und interessanter: (Wie) passt deren/dessen Libido mit der eigenen zusammen?

Dementsprechend kann das entlarvende Erröten ein Risiko enthalten: eben das Risiko nicht "anzukommen"

 

DIE VORNEHMLICHE AUFGABE DER PURIFICATIO

DER VEROBJEKTIVIERUNGEN VERDECKEN SOLLENDEN SCHAM BESTEHT DAHER DARIN:

DIE WAHRHEIT, DIE 'NACKTE WAHRHEIT' ZU BERGEN.

DAS HEISST: DAS DER SCHAM EIGENTÜMLICHE, NÄMLICH DAS DECKEN/BERGEN, SOLL -ANSTELLE ZUM VERDECKEN VON VEROBJEKTIVIERTEM MISSBRAUCHT ZU WERDEN- ZUM DECKENDEN BERGEN WERDEN:

Man könnte dazu auf Max Scheler hinweisen, für den "das Wesen des Schamaffektes in seiner 'Rückwendung des Individuums auf sich selbst und [dem] Gefühl einer Notwendigkeit des individuellen Selbstschutzes vor aller Sphäre eines Allgemeinen ... ' "[Scheler M., Schriften aus dem Nachlass, Bd.I., 3.Auflg., Bonn: Bouvier Verlag, H. Grundmann 1986, S 90] besteht. Berücksichtigt man allerdings die sich aus den Erfahrungen mit einer Orientierung an einem Ich-Ideal am Ende des 20.Jhdts. ergeben haben, so erscheint die Schelersche Klassifikation der Scham  als  "Notwendigkeit"  insoferne als irreführend, als sie etwas als "Not", das aber genau durch die angestrebte Individualität entstanden ist, bezeichnet.   

 

DAHER IST ZUNÄCHST DIE "MASKE" DER SCHAM ZU ENTFERNEN, SODASS SICH DER EIGENTLICHE SINN DER SCHAM ZEIGEN KANN

Freilich fällt es oft nicht leicht, auf MASKIERUNGEN DER SCHAM [57] zu verzichten: So da sind "schamabwehrende Deckaffekte" [näherhin Verachtung, 'Stolzierender Gockel', 'Spott: den Spieß herumdrehen', Trotz und Zorn, Erstarrung (frozeness) und Langeweile, Neid, Liebe (Näheres dazu siehe Wurmser, S.309-310), 'Deinem eigenen Selbst sei treu'. " [57]

SCHAM, PRAKTIZIERT ALS VERDECKUNG DES VEROBJEKTIVIERTEN, SOLLTE ALSO IHRER MASKIERUNGEN PURIFIZIERT WERDEN: DIES NICHT NUR, WEIL ES DAS ZU VERBERGENDE ENTBIRGT, SONDERN WEIL DAS VEROBJEKTIVIERTE, ETWA WIE EIN FAULENDER ZAHN NICHT GESEHEN UND DAHER AUCH NICHT (konstruktiv behandelt) ANGEGANGEN WIRD.

An die Stelle der verbergenden Maskierungen der Nackt-Heit sollte ein Bergen des Nackt-Seins treten, also Artikulation der Heilsbedürftigkeit im Sinne der Bergpredigt: "Selig die Armen, sie werden des Himmelreichs teilhaftig werden."

Also an die Stelle des Neids dessen, der jemanden etwa um seine Haarpracht beneidet, die nackte Wahrheit  treten lassen: also durchaus sich einzugestehen, dass die eigenen Haare dünn oder schütter etc. sind, aber genau daraus die Energie zu nehmen, sich um schönere Haare zu bemühen. D.h. ich berge meine Bedürftigkeit und setze die vorhandene Schamenergie ein für Verbesserungen meines Aussehens. 

 Diskutiert werden soll obige Hypothese    

anhand des leider oft mißverstandenen, sogenannten "Sündenfalls von Adam und Eva",

(der üblicherweise als Ungehorsam gegenüber Gott bestimmt wird - religiös verbrämtes "Moralin" lässt grüßen!)

 

nämlich insoferne als hier ein

GESCHEHEN, nämlich das DER ENTSTEHUNG LEIBLICHER SCHAM [29] [49],

erzählt wird:

Denn: Zunächst heißt es im Buch Genesis, dass Adam und Eva nackt waren, allerdings schämten sie sich nicht. (Gen 2, 25):

Papst Johannes Paul II. nahm im Rahmen seiner Theologie des Leibes hinsichtlich Nacktheit sowie Scham Bezug auf Gen 1,31: „Gott sah, dass alles, was er gemacht hatte, sehr gut war“. Am 2. Januar 1980 führt er aus: „Die Nacktheit bezeichnet das ursprüngliche Gut der göttlichen Schau, sie bedeutet die ganze Einfachheit und Fülle jenes Blickes, durch den sich der reine Wert des Menschen als Mann und Frau kundtut, der reine Wert des Körpers und der Geschlechtlichkeit." [53; ich würde allerdings in diesem Zusammenhang nicht von Nacktheit, sondern von Nackt-Sein reden 53]

Daraus ergibt sich:

SCHAM besteht also NICHT 'GANZ EINFACH'  im NACKTSEIN

Das sei betont in Abgrenzung zu heute oft vorfindbaren Wertungen der Nacktheit: wird sie doch häufig eo ipso mit Scham konnotiert, bis hin dazu, dass die Geschlechtsteile als "Scham" bezeichnet werden)

SCHAM ist also KEINE 'NATÜRLICHE SACHE'

 

Wie(so) aber fällt der Mensch aus dem "paradiesischen" Zustand, sich als Nackte nicht zu schämen?

Genesis 3,6 ("Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden.") führt's zurück auf den

ANSPRUCH AUF ABSOLUTE GÜLTIGKEIT

('ihr werdet - wie Gott- erkennen')

VON -DAS LEBENDIGE OBJEKTIVIERENDEN- WERTUNGEN

 

Die Erwartung, 'klug zu werden', die einhergeht mit dem Anspruch auf absolute Gültigkeit ("ihr werdet - wie Gott- 'gut' und 'böse' erkennen), die zum objektivierenden Blick auf sich selbst und den Anderen (siehe Sartre, Das Sein und das Nichts), mich selbst zum Sexual-Subjekt und den Anderen zum Sexual-Objekt macht, führt dazu, dass  "beiden die Augen aufgingen und sie erkannten, dass sie nackt waren." (Gen 3, 7a) [20]

Die für diese These zentrale 'Objektivierung' hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe wie "Gegenständlichkeit" / "Objekthaftigkeit" , wie sie Sartre anspricht:

"Die reine Scham ist nicht das Gefühl, dieser oder jener tadelnswerte Gegenstand zu sein, sondern überhaupt ein Gegenstand zu sein, das heißt, mich in einem degradierten, abhängigen und starr gewordenen Gegenstand, der ich für andere geworden bin, wiederzuerkennen. "

So charakterisiert J.-P. Sartre in »L’être et le néant« die vernichtende Selbstvergegenständlichung in der Übernahme des verdinglichenden Blicks der anderen. (Sartre, J.-P., Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie, Reinbek bei Hamburg 1962, 381 [frz. Orig. J.-P. Sartre, L’être et le néant. Essai d’ontologie phénoménologique, Paris 1950] " [10] [23]. 

Diese These Sartre's wurde diskukiert: 

Pfau meint: "Die These Sartres ist dahingehend kritisch zu bewerten, als der 'Blick' an sich nicht zwangsläufig 'Verobjektivierung' oder 'Entsubjektivierung' bedeutet. Es ist eine Erfahrung des praktischen Alltagslebens: Die Wahrnehmung der eigenen 'Objekthaftigkeit' ist sicherlich auch dadurch bestimmt, mit welcher Intention der andere das Subjekt anblickt: Es kann ein liebevoller, um Verständnis bemühter Blick sein, es kann ein sich nähernder Blick sein; ein Blick kann flüchtig oder intensiv fragend sein. Ist die Einstellung des anderen offen, vorbehaltlos und durch Respekt und Achtung vor der unendlichen Vielfalt der Person geprägt, so ist die Gefahr, dass der Blick das angeschaute Subjekt zum Objekt macht, sehr gering. ... Die Gefahr der Objekthaftigkeit entsteht im allgemeinen dann, wenn der Blick Folge einer Intention, einer Vorstellung und Idee vom Subjekt ist. Der Mensch wird z.B. dann instrumentalisiert und zu einer Idee abstrahiert, wenn er unter 'bestimmten Gesichtspunkten' angeblickt und betrachtet wird.[200]

Die Frage lautet daher: Mit welchem Anspruch und näherhin -ob mit dem Anspruch göttlicher Allwissenheit- das Du gesehen wird.
Allerdings ist -nach Pfallers "Erster Enthüllung"- "Die Scham ...  nicht 'außengeleitet' "[50], sondern es sei "Der Irrtum der Anthropologen: Scham als Wirkung von Fremdbeurteilung" [51] anzusetzen. Von da her wäre es bezüglich Scham  irrelevant, wie die Umwelt jemanden sieht. 

Auf das innere Scham-Geschehen bezogen formuliert Pfaller: "Der Irrtum der Psychoanalytiker: Scham als vom Über-Ich beanstandetes Defizit des Ich gegenüber einem IdeaL" (Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Verlag 2022, ISB 978-3- -397137-8,  S.89 ff.) Dem stimme ich nur insoferne zu, als Scham das Verdecken des vom Überich beanstandeten Defizits des Ich gegenüber einem Ideal ist. 

Entscheidend ist aber Pfaller's 'Zweite Enthüllung': "Die Scham beruht nicht auf einem Zuwenig, sondern auf einem Zuviel. Die Scham kommt von unten, nicht von oben" [55]), näherhin seine Hinweis auf das "Unter-Ich": "Der 'Prototyp der moralischen Scham' kommt nach Anders Auffassung  also dann zustande, wenn das Es auf ein Ich blickt, das sich zuviel herausgenommen hat und dadurch aus der Reihe fällt." [56] Ist dieses 'Es' so meine Frage- auch verstehbar als erotische Libido? Das Ich hätte sich dann gegenüber einer erotischen Libido zu viel herausgenommen.

 

Für mich ergibt sich: Neben dem großen Hinweis- bzw. Aufdeckungs-Wert (dies auch insoferne als damit Sartre die -in den Tagen [der Veröffentlichung von Sein und Nichts] der deutsch-nationalsozialistischen Besetzung Frankreichs bzw. des Vichy-Regimes besonders ausgeprägte Alltäglichkeit des Kriegens, und der Vergegenständlichung des anderen Menschen, beschrieb]  besteht die Problematik obigen Satzes m.E. darin, dass von Sartre (freilich nicht nur von ihm) das Scham-Gefühl nicht als Antrieb zum Verdecken, sondern als das Verdeckte verstanden wird.

Was nun wird veredeckt?  Ist es -wie häufig formuliert wurde- die "Objekthaftigkeit des Menschen."[48]?  Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass Sartre auch davon spricht, dass man zu einem Gegenstand geworden ist.[Fußnote] (Für den Zusammenhang von "Sein" und "Verschwinden" bzw. "Erscheinen" siehe: "Unsere Beschreibung der universellen Zeitlichkeit ist bisher in der Hypothese versucht worden, dass nichts vom Sein herkommt ausser seiner zeitlosen Unveränderlichkeit. Aber etwas kommt gerade vom Sein: das, was wir mangels eines besseren Ausdrucks Verschwinden und Erscheinen nennen wollen. Dieses Erscheinen und dieses Verschwinden müssen den Gegenstand einer rein metaphysischen und nicht ontologischen Erhellung bilden ... ihre Existenz ist die eines kontingenten und metaphysichen Faktums. ... Die Erfahrung lehrt uns indessen, dass es Auftauchen und Nichten verschiedener 'Dieses' gibt, und da wir nun wissen, dass die Wahrnehmung das An-sich und außerhalb des An-sich nichts enthüllt, können wir das An-sich als die Grundlage dieses Auftauchens und des Nichtens betrachten." (Sartre, Jean-Paul, Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie, hrsg. Traugott König, Rowohlt TB: Reinbek bei Hamburg 1993, ISBN 3-499-13316-4, S. 380-381) Ich plädiere daher, von einer 'gewordenen Objekthafigkeit', die durch Scham verdeckt wird, zu sprechen.

 

 

 

so ergibt sich die Hypothese: 

SCHAM BEZIEHT SICH AUF VERGEGENSTÄNDLICHUNGEN DES LEBENDIGEN  

... In philosophisch-religionswissenschaftlicher Sprache heißt das:

Der ANSPRUCH ABSOLUTER GÜLTIGKEIT VON SELBST- BZW. FREMD-BEWERTUNGEN IST HERABZUSTUFEN ZU BLOSSEN FÜR-SICH-WERTUNGEN 

 weniger abstrakt gesagt:

Für-Sich-Wertungen sollten ihres vermeintlich göttlichen Anspruchs auf absolute Gültigkeit entkleidet werden, sodass sich das An-Sich/die "nackte Wahrheit" zeigen kann. 

 

Wenn diese These ins Leibliche übersetzt wird, so heißt das:

BLUTGEFÄSSE VERPRESSENDE SCHAM-ENERGIE

SOLL GEWANDELT WERDEN

IN EINE,

DIE DIE GEFÄSSE ZUR VITALISIERENDEN VERSORGUNG DES UMLIEGENDEN GEWEBES ÖFFNET

   

 

Dafür geeignet erscheint eine

am ganzheitlich verstandenen PERIKARD ausgerichtete  

SYMBALLESTHAI-Behandlung :

 ANSTELLE VON FIXIERUNGEN DES BLUTKREISLAUFS UND DER ANALOG FIXIERTEN MENTALEN STRUKTUREN, ENTWEDER AUF ARTERIELLES GEBEN ODER VENÖSES NEHMEN, SOLL SICH DEREN ZUSAMMENSPIEL EINSTELLEN

Wenn der Herzbeutel -in der 'guten' Absicht, das Herz vor Beschämung zu schützen- es zu sehr einengt, d.h. z.B. auf die Herzkranzgefässe Druck ausübt, wird sich "Engherzigkeit" einstellen. Das sind "Menschen, von denen wir sagen, sie seien kalt- oder engherzig, sie hätten ein Herz aus Stein und nähmen sich nichts zu Herzen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass eine schwer verlaufende Form von Herzbeutelentzündung auf organischer Ebene zu einem sogenannten Panzerherz führen kann." [4]

Dementsprechend könnte man anregen/sich vornehmen, das Über-Protektive des Herz-Schutzes, zurückzunehmen. Allerdings: bloß per Vorsatz  gelingt dies kaum. Daher eine am Perikard orientierte Behandlung.

Das vom "chinesischen Organbegriff" her verstandene PerikardHerzhülle, "umfasst, anatomisch gesehen, den Herzbeutel oder das Perikard und, funktionell gesehen, den Blutkreislauf und alle Hormone und Regulationsmechanismen, die über eine Weiter- oder Engstellung der Gefäße und über eine Erhöhung oder Verringerung des Plasmavolumens den Kreislauf erhalten und steuern.

...

In der chinesischen Tradition wird die Herzhülle als erster Minister oder Kanzler des Feuerprinzen bezeichnet, als sein Leibwächter, als Beschützer des Herzens, als sein Schloss. Seine Aufgabe ist es, den Prinzen vor Schaden und Niederlage zu bewahren, seine Weisungen an seine Hofbeamten und Untertanen weiterzugeben und den Prinzen über ihr Wohlergehen Bericht zu erstatten.

Die Herzhülle vermittelt die Impuls des Herzens und des Shén -des Bewußtseins, des Geistes, des Esprit- an die Umgebung und nimmt Anerkennung, aber auch Klagen, Kritik und Beschwerden entgegen. Die Herzhülle ist der Mittler zwischen Innen und Außen, zwischen Außen und Innen. 

Ihre psychische Funktion ist die Kunst des Liebens - Liebe annehmen zu können und Liebe zu geben, Wärme auszustrahlen und sich selbst und anderen gegenüber großzügig zu sein." [5]

Durch eine Behandlung des ganzheitlich verstandenen Perikards kommt es u.a. eben zu einer Beeinflussung der Regulation von Kreislauf und Blutdruck, wozu die "Pressorezeptoren, das Kreislaufzentrum in der Medulla oblongata, Adrenalin, Noradrenalin, Acetylcholin und das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System zählen".[5]

Leiblich erlebbar wird der Perikard-Meridian in der manchmal als Gebetshaltung der ausgebreiteten Arme bezeichneten Position. Sie zeigt die Essenz des "Meisters des Herzens": "Offenheit, Wärme, die Bereitschaft zu geben, wie auch die Bereitschaft von anderen Helles und Dunkles anzunehmen. Diese Haltung kann ... helfen, diese Eigenschaften zu entwickeln." [9]

So ergibt sich: eine 

 HERZBEUTEL  / PERIKARD - BEHANDLUNG

           ermöglicht

        UNS (AUCH GEGENÜBER DER VON UNS SELBST KOMMENDEN) 

        OBJEKTIVIERENDEN  BESCHÄMUNG ABZUSCHIRMEN;

           und ermöglicht weiters,

        DASS WIR UNSERE HERZENS-ANLIEGEN NACH AUSSEN HIN ARTIKULIEREN                KÖNNEN

           Konkreter: u.a. das etwa im schamhaften Erröten sich zeigende

              STOCKEN DES BLUTKREISLAUFS IM ÜBERGANG VOM ARTERIELLEN INS VENÖSE SYSTEM                    SOLL SO BEHANDELT WERDEN

 

 

 

 

Konkret heißt das - wenn Erotik zu Sexualität 'verobjektiviert' wurde - 

HERZHÜLLE 1 (Tian Chi; Himmlischer Weiher; Himmlischer Teich), Kreuzungspunkt mit dem Gallenblasen- und Lebermeridian; Wird angewandt bei "übermäßiger Gefühlskontrolle" und "mangelnder Hingabefähigkeit"; "verbindet die Energien der Niere und der Hülle des Herzens: lustvolles Kraftgefühl im Hara und schmelzende Empfindungen in der Brust, sexuelle Erregung und stille Freude, Orgasmus- und Liebesfähigkeit." [18]

 

 

[1] Als problematisch wird erachtet, "dass im Modus der Scham das menschliche Gehirn auf primitive Überlebensreaktionen zurückfällt: angreifen, fliehen, verstecken" [ ?3]

"Scham ist eine machtvolle Größe, die nicht selten im Verborgenen wirkt. Sie ist ein heimliches, nach Möglichkeit verheimlichtes Gefühl, das Menschen oft mit sich selbst ausmachen." (Grund-Wittenberg Alexandra, Verborgenheit und Ambivalenz der Scham. Zur Einführung in diesen Band, p.1, in: Die verborgene Macht der Scham: Ehre, Scham und Schuld im alten Israel, in seinem Umfeld und in der gegenwärtigen Lebenswelt, hrsg. Alexandra Grund-Wittenberg, Ruth Poser, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2018, ISBN: 3-788732474, p. 1-18)

[2] Schellenbaum Peter, Die Wunde der Ungeliebten. Blockierung und Verlebendigung der Liebe, Dt. Taschenbuchverlag, München 4.Aufl. 1993, 17-18 [2] a.a.O., 14

[3] Zusammenfassung eines Artikels von Marks Stephan zu "Scham im Kontext von Schule", in: Soziale Passagen. Journal für Empirie und Theorie Sozialer Arbeit, 2013-06, Vol.5 (1), p.37-49, in dem er  einige grundlegende Informationen über Scham und ihre Funktion als Hüterin der Menschenwürde bringt. Dabei wird unterschieden zwischen Scham und Beschämung.

[4] Eckert, Das heilende Tao, 36

[5] Eckert, Tao der Akupressur und Akupunktur, 225

[6] Tiedemann Jens L., Scham. Psychosozial-Verlag 2013, ISBN 978-3-8379-2229, 5.7

[7] Tiedemann Jens L., Scham. Psychosozial-Verlag 2013, ISBN 978-3-8379-2229, 5.79

[8] Tiedemann Jens L., Scham. Psychosozial-Verlag 2013, ISBN 978-3-8379-2229, 5.81

[9] Eckert, Tao der Akupressur und Akupunktur, 245

[10] Plateauphase, also (1) die zweite von vier Phasen im sexuellen Ablauf – nach der Erregungsphase und vor der Orgasmusphase gekennzeichnet. In der Plateauphase sind bei Mann und Frau eine Steigerung von Herzfequenz und Blutdruck sowie Muskelanspannung zu beobachten. (2) die Phase des Stillstands beim Lernen: Sowohl beim Erlernen von Sprachen als auch von Fertigkeiten folgt nach einer Phase des schnellen Lernens ein Zeitabschnitt, in dem keine Lernzuwachs zu beobachten ist, wohl aber eine “stille Organisation” stattfindet, die am Ende des Plateaus zu einem plötzlichen Lernanstieg führt.

[11] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.89

[12]"Das Über-Ich hält dem Ich ein ideales Bild [das 'Ideal-Ich'] vor, dem das Ich entsprechen oder nahe kommen soll. Bei Nichtentsprechung ... wendet sich das Über-Ich vorwurfsvoll strafend gegen das Ich. Dies geschieht nach psychoanalytischer Auffassung durch Verlagerung von Besetzungsenergie: diese wird vom Ich abgezogen und ins Über-Ich verlagert. Dadurch erscheint das Ich dann klein und schwach gegenüber einer Urteilsinstanz, die mit gesteigerter Wucht auf es losgeht." (Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.90. 

[13] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.99

[14]  Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.102

[15] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.103

[16] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.125

[16] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.125

[17] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.127

[18] Eckert, Tao der Akupressur und Akupunktur, 226

[19] Bei Karl Marx bildet das pars pro toto ein Prinzip des Warenfetischismus: Der Prozess menschlicher Arbeit wird im Warenfetischismus durch sein isoliertes Resultat, die auf dem Markt in Erscheinung tretende Ware, ersetzt und dadurch verschleiert. Die sozialen Prozesse und Verhältnisse, die mit ihrer Herstellung verknüpft waren, sieht man der fertigen Ware nicht mehr an.

 

Das Prinzip des pars pro toto lässt sich auch auf den sexuellen Fetischismus übertragen, wie er in der Psychoanalyse verstanden wird. So ersetzt beim sexuellen Fetischismus ein Fetischobjekt, etwa ein Frauenstrumpf, als isolierter Teil eines Sexualobjekts, das die Präsenz eines ganzen Menschen darstellen soll, diesen Menschen und wird an dessen Stelle begehrt. (wikipedia Art. "pars pro toto", Abfr. 25.9.22.)

[20] "Meine [Wurmser's] Interpretation dieses Mythos wäre ..., dass er die Einführung des Schamanteils des Über-Ich widerspiegelt -das Verbot gegen Sehen, Wissen und Zeigen, die Angst wegen der Triebe für Sehen und Sichzeigen (viweing and self-exposure). Diese Triebe hätten eine solch enorme inhärente Macht, dass sie den Menschen ' wie einen von uns' - wie Gott, zum faustischen Eroberer machten." (Wurmser Léon, Die Maske der Scham. Die Psychoanalyse von Schamaffekten und Schamkonflikten. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1998, ISBN 3-540-63324-3, S.91).

Allerdings ist zu beachten, dass Pfaller eine "Neukonstruktion einer Theorie der Scham" vorstellt, die diese als Ergebnis eines naiven Blicks von unten begreift, ausgeübt durch die die Beobachtungsinstanz des Unter-Ich ... . (Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Vlg. 2022, ISBN 978-3-10-397137-8, S.127)

Damit fiele die (weit verbreitete und auch bei Wurmser vorliegende) Assoziation von "Über-Ich" und "Verbot" weg 

[200] Pfau Bolko, Scham und Depression. Ärztliche Anthropologie eines Affektes, Schattauer Verlag, Stuttgart/New York 1998, ISBN 3-7945-1878-0, S 30.

Prof. Dr. med. Bolko Pfau, Hermannstr. 26, 58239 Schwerte

[2001] Weger Michael, in:  Musik im Kopf. Die Zeitung für Menschen m it Klang im Leben, Winter/Frühling 2022/Ausg. 02, S 21.

[59] Diese Frage stellt sich freilich nicht, wenn man bzgl. Scham annimmt: "Jeder existente Mensch findet sich in der ontischen Unsicherheit vor, inmitten von Weltstrukturen, die nicht bergen, sondern der Ungeborgenheit das Regiment überlassen. Klar zu stellen ist somit, dass es um eine prä-emotionale Grundgestimmtheit geht, die nicht anders denn als objektive Tatsache der ontischen Verfassung des Menschen vorauszusetzen ist." (Bammel Christina-Maria, Aufgetane Augen - Aufgedecktes Angesicht. Theologische Studien zur Scham im interdisziplinären Gespräch, Gütersloher Verlagshaus 2005, ISBN-13: 978-579-05214-49, S.28-29)

Diese These ist aber u.a. insoferne unhaltbar, als es in der Paradies-Erzählung der Genesis 2,25,heißt: "Beide, Adam und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht." Die Bammel'sche "ontische Unsicherheit", in der sich nach ihr "jeder existente Mensch vorfindet", findet sich also beim menschlichen Prototyp nicht.

[49] Für Lotter Maria-Sibylla (Scham, Schuld, Verantwortung. Über die kulturellen Grundlagen der Moral, Suhrkamp Berlin 2016, ISBN 978-3-518-29616-5) hingegen ist die biblische Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies ein Mythos von der Entstehung des Selbstbewusstseins. (S.73). Der Ursprung des Selbstbewusstseins ist demnach das Bewusstwerden der eigenen Nacktheit vor Gott, das auf den unerlaubten Verzehr eines Apfels vom Baum der Erkenntnis folgt.(S.74)

[1x] Wurmser Léon, Die zerbrochene Wirklichkeit. Psychoanalyse als das Studium von Konflikt und Komplementarität, Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1993, 2. Auflg., ISBN 3-540-56204-4, S.228 analysiert die im Kontext der Scham wesentliche "Rolle der Verleugnung in der Kultur", wobei er unter 'Verleugnung' versteht als "das unbewusste Nein gegenüber  Wahrnehmungen. (S. 228-229), wobei er dies in einer "Beziehung zum Tragischen" sieht.(S.228ff)