"Manche Menschen empfinden Scheu, sich sogar langjährigen Freunden in körperlicher Nacktheit zu zeigen. Das bedeutet, dass sie sogar diesen nahen Menschen  gegenüber in jeder, auch in seelischer und geistiger Hinsicht, gehemmt sind: Sie verbergen von der eigenen Person, was sie selbst nicht lieben und nicht entwickeln." [18]

Andererseits:  wir sehnen uns nach gelingender Beziehung: zu uns selbst, zu anderen ...; nach einer nicht auf bloße Sexualität reduzierten, sondern nach ganzheitlich leib-seelischer Erotik ...

 

Dementsprechend - eben: 

       WEIL DAS LEBEN LEIBLICH LIEBT ...  

 ®                                                     

 

RITUAL des TYPs B, also

 

PERIKARD/KREISLAUFSEXUS#DREIFACHER ERWÄRMER

SYMBALLESTHAI-BEHANDLUNG:

               In dafür adaptierten Formen der

KLASSISCHEN MASSAGE

SEGMENT-MASSAGE

MANUELLEN LYMPHDRAINAGE

FUSSREFLEXZONEN-MASSAGE

AKUPUNKT-MERIDIAN-MASSAGE

 

SAKRAL-EKSTATISCH 

ERMÖGLICHTE

VASALE  RESILIENZ 

LÄSST AUS

BLUTGEFÄSSVERPRESSENDER SCHAM

AUFERSTEHEN ZU 

KREISLAUF-ALLOSTATISCHER EROTIK

Diese Massage begleitet unseren

BLUT

bezieht sich also auf Blut als das 'flüssige Gewebe', in das wir sowohl abhängig als auch bestimmend involviert sind (dementsprechend wird in der Tora Blut mit Leben oder Seele gleichgesetzt (Le 17,11-14)

KREISLAUF

näherhin sowohl in denen  des großen als auch des kleinen Blutkreislauf-Phasen der Austreibung des Bluts aus dem Herzen, dann in den Phasen des Übergangs vom arteriellen zum venösen Teil des Kreislaufs und dann in denen der Rückführung zum Herzen.

 

Versteht sich also als Begleitung eines Geschehens, das man nicht als 'bloß körperlich' einstufen sollte - eben weil es unser Gesamtbefinden betrifft, wenn z.B. der Blutdruck nicht in Ordnung ist. Freilich reicht es auch nicht, von Auswirkungen des körperlichen Geschehens auf Psyche und Geist zu reden, auch ist es nicht adäquat Psyche und Geist dazuzuaddieren, sondern es braucht das ganzheitliche Er-Leben des Blut-Kreislaufs in seinen psychischen, geistigen und körperlichen Dimensionen.

ist es nicht vielmehr häufig so, dass -um auf das eingangs gebrachte Zitat zum Scham-Erleben zurückzukommen-

PARADIESISCH-EROTISCHES NACKT-SEIN (OHNE SCHAM)

DURCH -SICH GÖTTLICH-ABSOLUTE BEWERTUNGS-QUALITÄT ANMASSENDE-

OBJEKTIVIERUNG DES LEBENDIGEN (= BESCHÄMUNG)

ZUR NACKT-HEIT, DERER MAN SICH SCHÄMT, GEWORDEN IST

 

DEMENTSPRECHEND BESTEHT DIE AUFGABE DER PURIFICATIO BLUTGEFÄSSVERPRESSENDER SCHAM

IN DER 'ABWASCHUNG' IHRER FIXIERUNG AUF VERDECKUNG OBJEKTIVIERTER SEXUALITÄT

SODASS AUTHENTISCHES NACKT-SEIN MÖGLICH WIRD.

DAS 'WASCHMITTEL' FÜR DIE PURIFICATIO DER SCHAM ? DIE LEIBLICHE WAHRNEHMUNG, WIE SEHR MAN SICH SELBST UM DIE LEBENDIGKEIT GEBRACHT HAT UND DAS ENTSPRECHENDE BEDAUERN (= FRÜHER ALS 'REUE' BEZEICHNET)

 

 

VERHINDERT WIRD AUTHENTISCHES NACKT-SEIN

DURCH VERGEGENSTÄNDLICHUNG DES LEBENDIGEN :

Dabei ist es  nebensächlich, ob diese Vergegenständlichung erfolgt ...

      ... in 'wohlwollender' oder 'bösartiger' Rhetorik

      "Das junge Mädchen ist das erste Mal beim Gynäkologen: "Du brauchst dich nicht zu  genieren: Ich sehe dich nur mit  rein                    medizinischen Augen. Deine wundervollen Brüste, deinen  aufnahmebereiten Schoß ..." 

      ... von außen oder von einem selbst her

           Zu:  "Von einem selbst" her ist z.B. an den inneren Kritiker zu denken.

   "Menschen mit Körperdysmorpher Störung (KDS) fühlen sich hässlich- dabei haben sie allenfalls einen kleinen                              Schönheitsfehler." Ihre Gedanken z.B. kreisen um Akne oder unproportionierte Körperteile. Bis zu mehrere Stunden täglich      beschäftigen sie sich damit, den 'Makel' zu inspizieren oder zu verbergen. .. . " [34]

 

Man macht also sich selbst bzw. man wird zu einem Gegenstand gemacht: Das personale bzw. das soziale Subjekt objektiviert sich. Der Maßstab dafür kommt aus der Annahme, dass man in göttlich absoluter Qualität der Meinung ist, bestimmen zu können, was hässlich bzw. was schön ist.

            Von daher wird die Frage von Rytina verständlich: "Leiden sie (Menschen mit körperdysmorphaler Störung] an einem besonders feinen Sinn für Ästhetik?" [34] Sie zitiert "Stangier's Vermutung bezüglich des Phänomens der eingebildeten Hässlichen ... Seine Hypothese: Die Betroffenen verfügen über einen gesteigerten Sinn für Ästhetik, Symmetrie und Form." [35] An die Erzählung vom 'Sündenfall' sieht man sich erinnert, wenn Rytina weiter ausführt: "Möglicherweise hat dieses überaus starke Schönheitsempfinden (der KDS-Patienten) schon im Lauf der Entwicklungsgeschichte eine Rolle gespielt: Einige Evolutionspsychologen vermuten, dass unter unseren Urahnen attraktive Menschen tendenziell gesünder waren und daher bei der Partnerwahl bevorzugt wurden. Wer die Schönen von den Missgestaltesten am genauesten zu unterscheiden wusste, konnte demnach für seine Nachkommen die besten Gene sichern." [35]

  DAS OBJEKTIVIERTE 'MUSS' ZUGEDECKT WERDEN

"Da gingen beiden die Augen auf und sie erkannten, dass sie nackt waren. Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Schurz. " (Gen 3,7)

"Bei der Scham muss immer etwas weg - anders als bei der Schuld, bei der immer Fehlendes herbeigeschafft werden muss, etwa in Form von Nachzahlungen ..." [27]

 

Dieses VERBERGEN kann ...

... sich beziehen auf Inhalte, also Gedanken, aber auch auf leibliche Phänomene wie das Erröten ...  

Damit ist  die Frage nach Berechtigung bzw. Sinnhaftigkeit der Einstufung des als schamvoll / beschämend Erachteten angeschnitten ...

.... aber auch als solches, also als Vorgang, beachtet werden;

Näherhin: nicht nur als geistig, seelischer Vorgang, sonder auch als leiblicher (d.h. z.B. nach der Rolle von Vasopressoren beim Verbergen zu fragen)

 

So ergibt sich

DAS SCHAM-GEFÜHL

ist  DER ANTRIEB ZUM ZUDECKEN DES RESULTATS eines GESCHEHENS DER VERGEGENSTÄNDLICHUNG ...

 Es sind die Mißerfolge einer sich selbst und den anderen vergegenständlichen Libido, die zu verdecken gesucht werden; einer Libido, die das erotische Begehren nicht stillt, sondern durch vergenständlichende Sexualität zu ersetzen versucht, 

 

SCHAM IST ALSO DER VORGANG DES ZUDECKENS EIGENER ODER FREMDER OBJEKTHAFTIGKEIT

"Das Wort Scham  stammt aus dem Altdeutschen scama bzw. dem Angelsächsischen scamu und geht zurück auf die indogermanische Wurzel kamkem: 'zudecken, verschleiern, verbergen'. Durch das vorangestellte 's'(skam) wird aus dem 'Zudecken' das 'Sichzudecken' , 'Sichverbergen'." [12]Im Schamgefühl äußert sich der Wunsch, etwas unsichtbar zu machen, das sichtbar war oder werden könnte." [12] 

 

 

 

ALLERDINGS: IN EROTISCHER HINSICHT  BLEIBT DAMIT DIE SITUATION ZIEMLICH AUSSICHTSLOS ...

Er vertrieb den Menschen und stellte östlich des Gartens von Eden die Kerubim auf und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten (Gen 3,24)

 

Es sei denn, man lässt sich ein auf

am ganzheitlich verstandenen HERZBEUTEL  / PERIKARD orientierte Behandlung.

Damit ist impliziert, dass eine bloß im Mentalen bleibende Behandlung der Scham eben nicht ausreicht, sondern -und damit wird das Spezifikum der ganzheitlichen Symballesthai-Behandlung angesprochen- es ist das leibliche Korrelat der Scham mit einzubeziehen. 

Weshalb nun wird der Herzbeutel/Herzhülle/Perikard als wesentlich im Kontext einer heilsamen Formung der Scham herangezogen? Die Herzhülle wird im Rahmen der TCM einerseits als Beschützer des Herzens verstanden, andererseits aber, um die Herzensanliegen nach außen hin zu artikulieren. Konkreter heißt das z.B., dass die Höhe des Blutdrucks u.a. auch durch die Tätigkeit des Perikards einerseits eben orientiert sein soll am Schutz ded Herzens, andererseits aber auch genügend Blutdruck da sein soll, um aktiv werden zu können. Damit ist klar, dass dem Perikard eine Aufgabe zukommt, die -wenn man Scham als "Zudecken" bestimmt-sich teilweise mit Scham deckt.

Vermutlich kommt es aber, wenn man bedenkt, dass Scham - neben aller Berechtigung-  vielfach als unsinnig  eingeschätzt wird, fdarauf an -analog zur Doppelfunktion des Perikards- eine Doppelfunktion der Scham als salutogen anzusetzen. 

So ergibt sich für eine Perikard-Behandlung die Aufgabe

EINERSEITS UNS (AUCH GEGENÜBER DER VON UNS SELBST KOMMENDEN) OBJEKTIVIERENDEN  BESCHÄMUNG ABZUSCHIRMEN;

ANDERERSEITS, DASS WIR UNSERE HERZENS-ANLIEGEN NACH AUSSEN HIN ARTIKULIEREN                                                                                                KÖNNEN 

 So vorbereitet wird möglich

Dass dieses 'Verbergen' auch -vor allem wenn es sich auf das Lebendige objektivierende  Beziehungen bezieht-  problematisch sein kann:

DARAUF MACHT AUFMERKSAM DER

"ICH BIN DER 'ICH-BIN-DA' GOTT [31],

DER GEGEN DEN TAGWIND EINHERSCHREITET"

Als sie Gott, den Herrn, im Garten gegen den Tagwind einherschreiten hörten, versteckten sich Adam und seine Frau vor Gott, dem Herrn, unter den Bäumen des Gartens. (Gen 3,8) Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? (Gen 3,9) Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich. (Gen 3,10) Darauf fragte er: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? (Gen 3,11)

Daraufhin beginnt ein "Schwarze Peter"-Spiel wie es am Meisterwerk von Antonio Rizzo am Dogenpalast in Venedig [32] erkennbar wird: 

Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben und so habe ich gegessen (Gen 3,12)

Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt und so habe ich gegessen (Gen 3,13)

 

DAMIT ALLERDINGS WIRD DAS PROBLEM DER ENTFREMDUNG NICHT GELÖST, SONDERN UNTER -BEI RIZZO ÜBER-DIMENSIONALEN- SCHAM-BLÄTTERN ZU VERSTECKEN GESUCHT.

 

WIE ABER SONST KOMMT MAN MIT VEROBJEKTIVIERENDER NACKTHEIT ZURECHT ? 

Unter  Verweis auf Schellenbaum's oben zitierte Beobachtung, die er -wie folgt- weiterführt ...

"Sollten sie sich dann doch einmal nackt zeigen, nicht nur kurz beim Umziehen, sondern zum Beispiel an der Sonne, beim Baden oder in der Sauna, dann weicht eine alte zwischenmenschliche Barriere und wächst eine neue entspannte Vertrautheit: Wir haben uns nackt gezeigt und gesehen und mögen uns noch mehr als zuvor! " [18] 

                                                                                                        ... sollte hilfreich sein

In seiner zweiten Enthüllung über die Scham bringt Pfaller die These: "Die Scham beruht nicht auf einem Zuwenig, sondern auf einem Zuviel."[11] Dieses Zuviel bestimmt er allerdings nicht als ein Zuviel des Über-Ich [12], sondern - im Abschnitt "Versuch einer Neukonstruktion. Scham als Wirkung einer Beobachtung von unten"[13]- "Die Scham (wird) als Ergebnis eines Blicks von unten aufgefasst."[14] Unter der Überschrift "Das Unter-Ich"  bezieht sich Pfaller auf Anders: "Der 'Prototyp der moralischen Scham' kommt ... zustande, wenn das Es auf ein Ich blickt, das sich zuviel herausgenommen hat und dadurch aus der Reihe fällt."[15]

Kann auf diese nach Pfaller definierte Scham Purificatio als rituelle Reinigung, in der das Lebensfeindliche abgewaschen wird, sodass sich das Lebendige zeigt, angewendet werden?  Worin besteht nach Pfaller das Lebensfeindliche bzw. das Lebensförderliche der Scham? Als das Lebensförderliche erscheint "die Beobachtungsinstanz des Unter-Ich" [17], als das Lebensverneinende die "Scham, die diese als Ergebnis eines naiven Blickes von unten  begreift."[17] Demnach wäre die Scham abzuschaffen, sodass sich die reine Beobachtungsinstanz des Unter-Ich zeigte. 

Bringt man diese Hypothese in Verbindung mit Genesis 2, wo von Versuchung -näherhin der Versuchung einer göttlichen Urteilsqualität- die Rede ist, so wird das Unter-Ich als entscheidende Beobachtungsinstanz als Schlange, die schlauer als alle Tiere des Feldes sei, verkörpert. Auf ihre Versuchung  -ihr werdet sein wie Gott und Gut und Böse erkennen- fällt Eva hinein, muss allerdings auch die Folgen dafür tragen: Aus unbekümmerten Nacktsein wird zu verbergende Nacktheit.

Daher hat die Purificatio anzusetzen bei der Versuchung des Ich auf die Einflüsterungen des Unter-Ich bzw. auf die Befehle des Über-Ich zu hören. Beide sind nicht göttliche Instanzen und es relativiert sich daher, ob das Ich vom Unter-Ich angetrieben oder vom Über-Ich her bestimmt wird!

 

Das Ich würde sich, wobei es dabei vom Es (der Schlange) verleitet wird, hinreißen lassen zu einem Zuviel an Erwartung, näherhin der Erwartung, das Sein bestimmen zu können. Allerdings tritt genau das Gegenteil ein: Lebendige Erotik wird auf Sexualität reduziert, die schamhaft zu verdecken ist. Eine Parallele dazu findet sich bei Pfaller in der These, dass es "bei der Scham zu einer Verwandlung von Lust in Unlust" kommt.[16]  Diese "Umkehrung der Affektqualität"[16] ist auch für Versuchung charakteristisch: Das anfänglich mit Lust Angestrebte wird in der Maßlosigkeit zu einem lusttötenden Zuviel.

 

eine Kombination von Verbergen und Aufdecken ...

  ... und das nicht nur in psychischer Hinsicht, sondern leiblich-ganzheitlich, 

wie sie in der Zusammenführung vasaler Yin-und Yang-Energie in Konzeptions- und Lenker-Gefässen möglich wird

 

ODER POINTIERTER:

WENN ANSTELLE EROTISCHER BEGEGNUNG, DIE LUST AUF MEHR MACHT,

 

BLOSSE SEXUELLE BEFRIEDIGUNG GEWORDEN IST ...

bei an unserem DREIFACHEN ERWÄRMER orientierter Massage

   der es ermöglicht einerseits

 DIE MIT DER OBEN ANGESPROCHENEN VERDECKUNGSTENZENZ DER SCHAM       EINHERGEHENDE FIXIERUNG  AUF DAS ALS ZU VERBERGEND ERACHTETE ZU     RELATIVIEREN

  und andererseits

 VITALFUNKTIONEN (wie Regelung der beim Erröten vorliegenden partiellen     Erhöhung der Körpertemperatur [44]) ALLOSTATISCH zu HALTEN

  Konkreter: u.a. das etwa im schamhaften Erröten sich zeigende

              STOCKEN DES BLUTKREISLAUFS IM ÜBERGANG VOM ARTERIELLEN INS VENÖSE SYSTEM                    SOLL SO BEHANDELT WERDEN

 

[1] Wurmser Léon, Die Maske der Scham. Die Psychoanalyse von Schamaffekten und Schamkonflikten. Springer, Berlin/Heidelberg/New York 1997, ISBN 978-3-642-80458-8, S. 25  [abgerufen am 15. September 2019].

(Art. "Scham" in wikipedia, abger. 17.12.2020)

Allerdings kommt es im Laufe des Lebens zu einer Ausdifferenzierung dieser Fähigkeit, die Léon Wurmser Scham als „in ihren typischen Grundzügen komplex und variabel, viel eher eine Palette von eng verwandten Affekten als ein simpler, klar abgegrenzter Affekt“ bestimmen lässt. [1]

 

[4] Art. Scham in wikipedia Abfr. 20.1.21

[5] Eckert, Tao der Akupressur und Akupunktur, 225

[6] Eckert, Tao der Akupressur und Akupunktur, 234 

 

[8] Eckert, Das heilende Tao, 47

[9] Eckert, Das heilende Tao, 45

[10] Grund-Wittenberg Alexandra, Verborgenheit und Ambivalenz der Scham. Zur Einführung in diesen Band, p.2, in:

Die verborgene Macht der Scham: Ehre, Scham und Schuld im alten Israel, in seinem Umfeld und in der gegenwärtigen Lebenswelt,

hrsg. Alexandra Grund-Wittenberg, Ruth Poser, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2018, ISBN: 3-788732474, p. 1-18

[11]  "Scham ist eine Emotion, die jeder kennt und die Menschen im Innersten verletzt und bedroht.

Daher wird selten über sie gesprochen.

Dabei hat Scham viele Gesichter: Selbst so extreme Taten wie sogenannte 'Ehrenmorde' und Selbstmordattentate beruhen auf dem Mechanismus von Scham und Schamabwehr." [11]Marks Stephan, Scham - die tabuisierte Emotion. Patmos Vlg. 2011, ISBN-10384360052X, Klappentext

[12] Baer Udo, Frick-Baer Gabriele, Vom Schämen und Beschämtwerden, Beltz Vlg. 2008, Weinheim und Basel , 10

[20] Leider missversteht Marks die 'Scham' betreffenden Partien von Gen 2 und 3 als Hinweis auf "Intimitäts-Scham" [Marks Stephan, Scham-die tabuisierte Emotion, Patmos Verlag 2021, ISBN 978-3-8436-1307-1, S. 23].

[22] So gibt es in vielen Gesellschaften jeweils Minderheiten, die all die Scham-die-keiner-will verkörpern." [Marks Stephan, Scham-die tabuisierte Emotion, Patmos Verlag 2021, ISBN 978-3-8436-1307-1, S. 48]

Marks pointiert die obigen Passagen anschließend indem er auf die "Gefäß-Metapher [zurückkommt]: Wenn ein Gefäß enger wird, dann steigt der Pegel umso mehr und die Scham bekommt erst recht ihre überflutende und somit traumatische Qualität.

Wenn aber die Beratung wie ein großes Gefäß ist, in dem die Scham sein darf, dann sinkt der Pegel. Es ist dieselbe 'Menge' an Scham, aber sie hat ihre überflutende Qualität verloren und wir können gemeinsam neugierig sein, was ihre Botschaft ist." (Marks Stephan, Scham-die tabuisierte Emotion, Patmos Verlag 2021, ISBN 978-3-8436-1307-1, S.53).

Dabei übersieht er allerdings, dass 'die Scham' aus einem großen Automaten gezogen wird - wobei es besondere Leute gibt, die -im Unterschied zu anderen- per Knopf-Auswahl bestimmen, was (und auch: wieviel) an bereits im Automaten vorhandener  'Scham'  publiziert werden soll.

[23] Pfau Bolko sieht in Sartres Analyse der Scham eine "Ontologie der Scham, welche Sartre aus der Subjekt-Objekt-Spannung ableitet" (Pfau Bolko, Scham und Depression. Ärztliche Anthropologie eines Affektes, Schattauer Vlg., Stuttgart 1998, ISBN 3-7945-1878-0, S.9)

[24] Unter der Überschrift "Existenzscham" bringt Bammel Christina-Maria, Aufgetane Augen - Aufgedecktes Angesicht. Theologische Studien zur Scham im interdisziplinären Gespräch [= Öffentliche Theologie 19], S.26-27 folgenden Hinweis:

"1925 notiert Paul Häberlin in seinen Studien über das Gute zum Wesen Scham: "Scham ist immer die Abneigung gegenüber das blosse Ichsein, gegen die nackte Subjektivität. Darum empfinden wir Scham, wo immer die eigene Ichheit unverhüllt uns entgegentritt. da wir -übrigens gerade aus Scham- gewohnt sind, sie vor uns selbst möglichst geheim zu halten, so pflegt sie, die nackte Ichheit, uns erst dann eindrücklich zu werden, wenn andere sie bemerken und wir sie im Spiegel des fremden Auges wahrnehmen. ... Wir schämen uns unserer Blöße, Körperliche Blöße ist nur das Symbol der nackten Ichheit, der unverhüllten Subjektivität. Wir empfinden, vom Einheitsinteresse aus, die triebhaft sich gebärdende Ichheit als nicht sein sollend, als etwas, dessen man sich schämen und das man zu verbergen trachten muss. Woher käme es denn sonst, dass die Menschen sich so sehr verschließen und dass sie sich so ungern in ihr 'Inneres' schauen lassen - dass sie solche Künste anwenden, um den Schein zu wahren, den Schein, dass sie nicht eigensüchtige Ichheiten seien! Scham über die Existenz als Ich, Scham über das nackte Leben. (Häberlin Paul, Das Gute, Basel 1927, 23)"

Die Bammel'sche Einordnung des Häberlin-Zitats als "Existenzscham" ("Die bloße Existenz, die Existenz als Blöße, hat eine Wurzel, die in tiefste, nicht unmittelbar auftretende Scham hineinreicht." [a.a.O., 27]) scheint allerdings gerade in theologischer Hinsicht fragwürdig. nämlich insoferne als Scham eben erst nach dem Sündenfall auftritt.

[25] Tiedemann Jens L., Scham, Psychosozial-Verlag 2013, ISBN 978-3-8379-2229-5, S.7

[26] Pfau Bolko, Scham und Depression. Ärztliche Anthropologie eines Affektes, Schattauer Vlg., Stuttgart 1998, ISBN 3-7945-1878-0, S.6

[27] Interview in: DiePresse. Dienstag 7.Juni 2022, S.17

[28] Presse-Meldung  vom 24.Mai 2022

[29] Vielleicht lassen sich die im folgenden aufgeführten Momente der Schamentstehung parallelisieren mit Freud's Verständnis der Scham

"In seinen frühen Arbeiten bestimmt Freud die Scham:

1. eindeutig als Affekt innerhalb eines sozialen Kontextes und setzt sie mit der Angst vor Bewertung gleich,

2. als ein Motiv für Abwehr, das heißt als affektive Erfahrung,

3. als eine Methode der Abwehr, als Reaktionsbildung im Dienst der Verdrängung sowie

4. in Verbindung zu´m Narzissmus und zu Idealen.

Diese Ambiguität (Scham als Affekt, als Motiv und Methode der Abwehr, als Symptom) zieht sich durch Freuds Werk Werk und findet sich auch bei den meisten Autorinnen und Autoren, die sich nach ihm mit dem Thema der Scham befasst haben." (Tiedemann Jens L., Scham, Psychosozial-Verlag 2013, ISBN 978-3-8379-2229-5, S.17)

[30]  Diesbezüglich hilfreich ist eine ANTHROPOLOGISCHE  ABKLÄRUNG DER SCHAM, 

die mit erkenntnistheoretischen Hinweisen einsetzen kann: 

"Über Schamanlässe oder Schaminhalte erschließen sich – selbst wenn ein weitgehend umfassender Katalog aufgestellt werden könnte – zunächst einmal bloß situationale ‚letzte‘ Auslöser für Schamerlebnisse, die in gewisser Weise zufälligen Charakter haben.

Soll jedoch nach den generellen Bedingungen der Scham geforscht werden, muss ein grundsätzlich anderer Weg eingeschlagen werden. Dieser Weg wählt den Ausgangspunkt der Untersuchung nicht in der jeweiligen Situation mit ihren konkreten schamauslösenden Anlässen, sondern beim Menschen.

Er richtet sich primär auf die Frage, was der Mensch für ein Wesen ist, dass er sich überhaupt schämen kann. Er zielt auf das Subjekt der Scham, den Menschen, sowie auf seine Existenzweise, auf die Weise, wie er sich grundsätzlich zu sich selbst und zu seiner Umwelt verhält." (Lietzmann Anja, Theorie der Scham. Eine anthropologische Perspektive auf ein menschliches Charakteristikum. Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Sozialwissenschaften in der Fakultät für Sozial- und Verhaltenswissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen 2003, 16)

Lietzmann verweist dbzgl. auf Helmuth Plessner. In seinem Hauptwerk von 1928 „Die Stufen des Organischen und der Mensch“ ersetzt er den, sich leicht dem Metaphysikverdacht aussetzenden, Begriff des menschlichen „Wesens“ durch den Begriff der menschlichen „Existenzweise“. Diese bestimmt er als „exzentrische Positionalität“. Der Mensch ist das Wesen, das exzentrisch positioniert ist. (Plessner Helmuth, Die Stufen des Organischen und der Mensch. Einleitung in die philosophische Anthropologie, Berlin / New York 1975, 292; zit. nach Lietzmann 16-17) 

[31] JHWH (hebräisch יהוה) ist der unvokalisierte Eigenname des Gottes Israels im Tanach. Zu Beginn der Zehn Gebote stellt dieser Gott sich seinem Volk wie folgt vor:

אנכי יהוה אלהיך אשר הוצאתיך מארץ מצרים מבית עבדים

לא יהיה־לך אלהים אחרים על־פני     Ex 20,2–3

„Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus dem Land Ägypten, aus dem Sklavenhaus, herausgeführt habe.

Du sollst keine andern Götter haben neben mir.“ – Ex 20,2–3 

In der Bibel ist JHWH der gnädige Befreier und gerechte Bundespartner des erwählten Volkes Israel und zugleich der Schöpfer, Bewahrer, Richter und Erlöser der ganzen Welt.

(https://de.wikipedia.org/wiki/JHWH; Abfr.8.6.2022)

[32] Zwar lautet häufig die Erläuterung dieses Werks von Rizzo: "Adam und Eva im Paradies". Allerdings (wenn man nämlich berücksichtigt, dass sich diese Skulpturen an einem Gebäude,  an dem über Schuld/Un-Schuld entschieden wurde, aus dem die Seufzerbrücke ins Gefängnis führt, befinden) werden Mann und Frau  in einer Situation gezeigt, in der eben nicht mehr paradiesische Zustände herrschen.

Groupe sculpté La Chute d'Adam et Ève, œuvre réalisée par Antonio Rizzo en 1476 ornant le dessus du chapiteau de l'angle sud-ouest du Palais des Doges à Venise).

(Bild: Author Jean-Pol GRANDMONT; https://de.wikipedia.org/wiki/Erbsünde; Abfr. 3.3.2022]

[33] "San Jiao bedeutet „Drei, die brennen...“. Er ist ein 3-geteiltes funktionelles System ohne ein eigenes Organ und koordiniert die energetischen Yang-Wärme-erzeugenden Funktionskreise der Organe in Brust, Bauch und Unterbauch. Er reguliert dabei den Wasserhaushalt, indem er an Transformation, Verdampfung, Verteilung und Ausscheidung der Körperflüssigkeiten beteiligt ist und gewähreistet auch die Regulation der Verdauung mit Aufnahme von Nahrung und Getränken, Umwandlung, Produktion, Transport und Ausscheidung. Er reguliert dabei die Synthese von Ying-Qi und Wei-Qi für Ernährung und Abwehr. Er ist der Passageweg für das Ursprungs-Qi, die „Wurzel“ des Lebens. Auch kontrolliert er alle Hohl-und Zwischenräume im Körper und verbindet so alle Körperregionen miteinander." (Reis Arnfried, San Jiao — der Dreifache Erwärmer,  Zusammenfassung, in: Akupunktur & Aurikulomedizin | Ausgabe 1/2021)

[34] Rytina Susanne, Der eingebildete Makel, 32, in Psychotherapie heute. Seelische Erkrankungen und ihre Behandlung im 21. Jahrhundert, hrsg. von Christiane Gelitz, Schattauer 2012, ISBN 978-3-7945-2867-7, S. 32-38

[35] Rytina Susanne, Der eingebildete Makel, 32, in Psychotherapie heute. Seelische Erkrankungen und ihre Behandlung im 21. Jahrhundert, hrsg. von Christiane Gelitz, Schattauer 2012, ISBN 978-3-7945-2867-7, S. 32-38

[44]"Eine typische Begleiterscheinung des Schamgefühls ist die Schamröte, eine Reaktion des vegetativen Nervensystems, die eine verstärkte Blutzufuhr im Gesicht verursacht und es erröten lässt. Als innerlich wahrnehmbare und nach außen sichtbare Reaktion kann das Bewusstsein, rot geworden zu sein, die Schamempfindung noch verstärken. Im Allgemeinen scheinen Kinder und Jugendliche schneller rot zu werden als Erwachsene, doch nicht alle Menschen erröten, wenn sie Scham empfinden. Auch ein besonders breites Grinsen oder verlegenes Lachen gelten als mögliche Anzeichen der Scham. Weitere Körperreaktionen akuter Schamgefühle können Stressreaktionen wie ein erhöhter Puls, Schweißausbrüche, Schwindel und Herzklopfen sein.

Wird im Bereich der Körpersprache der Blickkontakt unterbrochen, kann das Schamgefühle signalisieren. Sie können von Gesten begleitet werden, wie das Senken der Kopfes oder das Verbergen der Augen mit den Händen. Im Internetjargon ist diese Geste als Facepalm bekannt und wird in Memes und als Emoticon genutzt, um Fremdscham auszudrücken. Die Körperhaltung tendiert dazu, sich zusammenzurollen und den Körper kleiner erscheinen zu lassen. Gestik und Gang sind oft gehemmt und können durch drehende, ausweichende Bewegungen einem Davonschleichen und Hinauswinden gleichen. Die Intensität, mit der das Erleben von Scham beginnt, kann zu einem Verlust der Geistesgegenwart führen, sodass die Sprache stockt oder es zum Stottern kommt." [45] Hingegen hat "Freud bezüglich des Schamaffekts nicht nur einen theoretischen, sondern vor allem einen persönlichen 'blinden Fleck' gehabt. (Tiedemann Jens L., Scham. Psychosozial-Verlag 2013, ISBN 978-3-8379-2229, 5.19) "... Gebiete auf denen Freuds Schamvulnerabilität deutlich gemacht werden könnte: die Scham über die ärmlichen Verhältnisse, aus denen seine Familie stammte, seine enttäuschenden Beziehungen zu männlichen Kollegen, die Angstsymptomatik, seine sexuellen Schwierigkeiten, seine Kokainsucht, seine langjährige Krebskrankheit etc. All dies deutet darauf hin, dass Freud durch aus eiun Mensch war, der Schamgefühle von sich selbst gekannt haben muss. Die Institutionalisierung der Blickvermeidung durch die Couch, die für Freud persönliche Gründe hatte, da er es nicht aushielt, angestarrt zu werden, weist auf Freuds eigene Geheimhaltungstendenz und Schamverletzlichkeit hin." (Tiedemann Jens L., Scham. Psychosozial-Verlag 2013, ISBN 978-3-8379-2229, 5.22)

[46] Klebow Lilian, Reise zurück zu mir, edition a, Wien 2021, ISBN 978-3-99001-536-0, S 30-31

[47] Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft (La gaya scienza), 1882 (ergänzt 1887)

[48] Pfau Bolko, Scham und Depression. Ärztliche Anthropologie eines Affektes, Schattauer Vlg., Stuttgart 1998, ISBN 3-7945-1878-0, S.28 charakterisiert so Sartre's Ausführung zur Scham. Er fügt an: "Die These Sartre's ist dahingehend kritisch zu bewerten, als der 'Blick' an sich nicht zwangsläufig 'Verobjektivierung' oder 'Entsubjektivierung' bedeutet. Es ist eine Erfahrung des praktischen Alltagslebens: Die Wahrnehmung der eigenen 'Objekthaftigkeit' ist sicherlich auch dadurch bestimmt, mit welcher Intention der Andere das Subjekt anblickt. Es kann ein liebevoller, um Verständnis bemühter Blick sein, es kann ein sich nähernder Blick sein; ein Blick kann flüchtig oder intensiv fragend sein. Ist die Einstellung des anderen offen, vorbehaltlos und durch Respekt und Achtung vor der unendlichen Vielfalt der Person geprägt, so ist die Gefahr, das der Blick das angeschaute Subjekt zum Objekt macht, sehr gering...die Gefahr der Objekthaftigkeit entsteht im allgemeinen dann, wenn der Blick Folge einer Intention, einer Vorstellung und Idee vom Subjekt ist. Der Mensch wird z.B. nur dann instrumentalisiert und zu einer Idee abstrahiert, wenn er unter 'bestimmten Gesichtspunkten' angeblickt und betrachtet wird.(S 30)

[49] Für Lotter Maria-Sibylla (Scham, Schuld, Verantwortung. Über die kulturellen Grundlagen der Moral, Suhrkamp Berlin 2016, ISBN 978-3-518-29616-5) hingegen ist die "biblische Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies" "der vielleicht bekannteste Mythos von der Entstehung des Selbstbewusstseins." (S.73). "Der Ursprung des Selbstbewusstseins ist demnach das Bewusstwerden der eigenen Nacktheit vor Gott, das auf den unerlaubten Verzehr eines Apfels vom Baum der Erkenntnis folgt." (S.74)

[50] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S. Fischer Verlag 2022, ISB 978-3-10-397137-8,  S.63-87

[51] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S. Fischer Verlag 2022, ISB 978-3-10-397137-8,  S.63 ff.

[52] Die Problematik dieses möglichen Einflusses: "Der Irrtum der Psychoanalytiker: Scham als vom Über-Ich beanstandetes Defizit des Ich gwgenüber einem IdeaL" (Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S.Fischer Verlag 2022, ISB 978-3- -397137-8,  S.89 ff.)

[53] Johannes Paul II., 13. Katechese, 2. Januar 1980. In: Norbert und Renate Martin (Hrsg.): Johannes Paul II.: Die menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan. Eine Theologie des Leibes. Mittwochskatechesen 1979–1984, Vallendar 2008, S. 137

[54] Pfau Bolko, Scham und Depression. Ärztliche Anthropologie eines Affektes, Schattauer Vlg., Stuttgart 1998, ISBN 3-7945-1878-0, S.1

[55] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S. Fischer Verlag 2022, ISB 978-3-10-397137-8,  S.89 ff.

[56] Pfaller Robert, Zwei Enthüllungen über die Scham, S. Fischer Verlag 2022, ISB 978-3-10-397137-8,  S. 103