Ängstliche Ver-Spannungen sind häufig ein Grund zur Massage zu kommen ...

 

Wie damit umgehen?

Wenn nämlich einerseits gilt  ...

  • "Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben."

 andererseits aber auch:

  • "Wenn nun auch die Angst zu unserem Leben gehört, will das nicht heißen, dass wir uns dauernd ihrer bewusst wären. Doch sie ist gleichsam immer gegenwärtig und kann jeden Augenblick ins Bewusstsein treten, wenn sie innen oder außen durch ein Erlebnis konstelliert wird." [Riemann Fritz, Grundformen der Angst. Eine tiefenpsychologische Studie, Ernst Reinhardt Vlg., München-Basel 34.Aufl. 2002, 7]
  • und vor allem:

    wenn es dazu gekommen ist, dass sich  "die Angst verselbständigt hat. Dann  fangen Menschen im Kopf an, „the worst case“, die schlimmsten Befürchtungen vorwegzunehmen. Auch dies ist ursprünglich ein Schutzmechanismus, um in inneren Bildern die Situation mit verschiedenen möglichen Ausgangsszenarien zu erleben, und sich so mental und emotional zu wappnen, um sich zu schützen vor der Angst und den weiteren Gefühlen, wenn die befürchtete Situation eintritt …

Verselbstständigt kann sich diese Angst entkoppeln von realen Bedrohungen, sie kann in Situationen auftauchen, in denen man sich evtl. früher schützen musste, dies heute aber nicht mehr nötig ist. Die Szenen im Inneren und im Außen haben sich verändert, Anspannung und Angst bleiben und begleiten den Menschen weiterhin." [1] 

V.a. nach einem traumatischen Erlebnis lässt sich Angst  nicht 'einfach vergessen'.

Universitäre Forschungen [7] zeigten auf, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass Ängstlichkeit, die auch dann noch Gefahr und Bedrohung vermutet, wenn sie schon längst vorbei ist, 'von selbst' verschwindet.

 

Vielmehr braucht es  -wie Andreas Bilkei-Gorzo vom Institut für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn erläutert- "einen aktiven Lernprozess", in dem die Betroffenen erkennen, dass sie keine Angst mehr haben müssen, weil die Gefahr vorüber ist [7]. 

Näherhin: "Wir konnten mit einer Reihe von Experimenten zeigen, dass Dynorphine eine wichtige Funktion bei der Abschwächung von Ängsten erfüllen", erläutert Professor  Andreas Zimmer, Direktor des Instituts für Molekulare Psychiatrie der Universität Bonn. [7]

 

Dementsprechend ergibt sich für eine ganzheitliche Massage-Behandlung die Aufgabe einer

A.1. PURIFICATIO  HYPERSENSITIVER ÄNGSTLICHKEIT:                         ÜBERLEBENSWILLE ZEIGT SICH                                                

ereignet- man möge 'nicht das Kind mit dem Bade ausschütten': das heißt, dass das an Angst Wertvolle erhalten bleiben solle ...

Zwar wird immer wieder Angstfreiheit angestrebt. Allerdings: Angstfreiheit ist nach den Darlegungen des Psychologen Siegbert A. Warwitz kein erstrebenswertes Ziel, weil es den Sinn der Angst verkennt und nicht nutzt. Dies gilt auch für den Umgang mit gefahrenhaltigen Situationen, die Mut erfordern. Angst ist nach Warwitz auch kein Gegensatz zu Mut und Zivilcourage, sondern ein Korrektiv, das zuträgliche Maß bei Wagnishandlungen zu finden. Erziehungsziel ist das Lernen der Angstreflexion und Angstbeherrschung.

Andererseits  soll nicht übersehen werden, dass das Verdrängen uns manche reale bis hin zur lebensbedrohlichen Gefahr übersehen lässt; Denn: es besteht "eine signifikante negative Korrelation zwischen Angst und Blutfluss in den meisten Hirnregionen" (Bandelow B., Broocks A., Hypothesen zur Ätiologie, 107, in: Bandelow Borwin, Angst- und Panikerkrankungen, 2.Aufl.-Bremen:UNI-MED 2006. ISBN 3-89599-840-0, 105-109)

 

ORIENTIERT  ARBEITET, HILFREICH SEIN ?

Goliath gegen David: 'Normalerweise' hat der

Sch-mächtige vor dem Mächtigen Angst - noch dazu wenn der Riese droht den Kleinen umzubringen.

Doch David macht sein Glaube an den lebendigen Gott siegessicher. Er hatte schon oft erlebt, wie Gott ihm die Kraft gab, wilde Tiere zu bekämpfen, sie in die Flucht zu schlagen oder zu töten, wenn sie seine Herde angriffen. 

 

 

In diesem Vertrauen auf Gottes Hilfe tritt David dem gewaltigen Gegner entgegen und kann ihn mit seiner Steinschleuder töten.

So die üblichen Kommentare in (Kinder-)Bibeln.

 

Aber: ist die so erzählte Geschichte nicht zu 'glatt' und damit unglaubwürdig? Das Vertrauen auf Gottes Hilfe ließe auch Schwache gewaltige Gegner töten ...

 

Der David des Michelangelo scheint näher an der biblischen Erzählung: In 1 Sam 17,42 heißt es: David war noch sehr jung, er war blond und von schöner Gestalt.

Und erfahren im Umgang mit tödlichen Gefahren:  "David sagte zu Saul: ... Dein Knecht hat den Löwen und den Bären erschlagen und diesem unbeschnittenen Philister soll es genauso ergehen wie ihnen, weil er die Schlachtreihen des lebendigen Gottes verhöhnt hat." 

Das "Vertrauen in Gottes Hilfe" ist also zunächst einmal erprobtes Vertrauen in den eigenen Mut, in die eigene Kraft ...

... gegenüber einem Unbeschnittenen.

Dem allerdings - und hier sollte man genauer hinschauen, ob im David Michelangelos die Vorhaut des Penis teilweise oder doch gar nicht entfernt (eine Totalentfernung liegt offensichtlich nicht vor) wurde - mit dem biblischen David ein Beschnittener entgegen tritt. Und dieser Beschnittene sieht sich im Bund mit Gott („Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: Alles, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen. Das soll geschehen zum Zeichen des Bundes zwischen mir und euch [Gen 17,10-11]).

Für SYMBALLESTHAI-Massage dabei relevant ist, dass sich -man mag nun Beschneidung befürworten oder als nicht erforderlich einschätzen- lebensrelevante Religion nicht unkörperlich ereignet; also nicht nur etwa in Gebärden oder Handlungen gedanklich Geglaubtes seinen Ausdruck findet ...

Vielmehr behauptet die David-Goliath Erzählung -und das ist eben im Kontext der SYMBALLESTHAI-Transformation von gewebsversteinender Angst in Gefahr konkret fürchtende Aggression- relevant, dass -Gott sei Dank!- Angst und leibliche Potenz inkompatibel sind ... 

 

 

 

"Dass die nicht ausgelebte Libido (Lust am Leben, an der Sexualität) sich einfach umwandelt in Angst, das glaubte Sigmund Freud (1856-1939) in seiner ersten Angsttheorie (1895). Man kann sich das vorstellen wie Milch, die sauer wird: Die gehemmte Libido verwandelt sich quasi automatisch in Angst. Später ging Sigmund Freud davon aus, dass es die Triebe generell sind, die zur Angst führen können. Die Triebregungen in uns (z.B. „Ich will mit ihm schlafen“) lösen Angst in uns aus, wenn sie unangemessen sind. Dann verdrängen wir diese Triebe. Doch dann entsteht wiederum Angst, weil der Trieb sozusagen „durchbrechen“ will – doch weil wir den Trieb so verdrängt haben, spüren wir vielleicht nur Druck und Angst, aber wir können zunächst nicht mehr bewusst den Zusammenhang zum ursprünglichen Trieb („Ich will mit ihm schlafen“) herstellen. Diese Entstehung der Angst hängt also eng mit unserem Über-Ich zusammen." (Dunja Voos, Die Angsttheorien von Sigmund Freud, https://www.medizin-im-text.de/2019/35762/die-angsttheorien-von-sigmund-freud/)

 

Dementsprechend braucht es

PURIFICATIO DER ANGST: SO KANN SICH DER URSPRÜNGLICHE (ÜBERLEBENS-)TRIEB ZEIGEN ! 

Dazu Gerald Hüther in seiner "Biologie der Angst" mit dem Untertitel "Wie aus Streß Gefühle werden." (13.Aufl. Vandenhoeck und Ruprecht 2016): 

Zur Überwindung der Problematik: "Weshalb wir immer nur das finden, was wir suchen, und sich immer nur die verstehen, die durch die gleiche Brille schauen" (p.11-15) lädt er ein, sich aus der unübersichtlichen Ebene der gewohnten, allerdings aber Stress-assoziierten neuronalen Bahnen und Verknüpfungen heraus - also auf einen Hügel zu begeben. Das könne Sinn machen, denn (dies auf der Basis, dass "Nachdem bis vor wenigen Jahrzehnten die Überzeugung herrschte, dass ein Umbau der während der Hirnentwicklung einmal angelegten Verschaltungen im adulten Gehirn nicht mehr stattfindet, wir heute (wissen), dass das Gehirn auch im Erwachsenalter noch in hohem Maße zu struktureller Plastizität fähig ist." [14] ) manchmal geraten wir in "Sackgassen": "Was [dann] in uns passiert, wenn wir nicht mehr weiter wissen" erläutert er anh. einer Beschreibung der "neuronalen und endokrinen Streßreaktion und ihrer Besonderheiten beim Menschen." (p. 33-55) Die "Stressreaktion beginnt immer damit, dass eine Information ganz oben in unserem Gehirn, wo alle Fäden zusammenlaufen, in der Hirnrinde, ankommt, die in dieser Situation, zu diesem Zeitpunkt oder in dieser Weis nicht erwartet wurde. ... Im Gehirn führt die oben entstandene Aufregung dazu, dass auch tiefer gelegene Nervenzellen von der sich ausbreitenden Erregung mit erfasst werden. Sie erreicht so auch eine Gruppe von Nervenzellen mit sehr langen verzweigten Fortsätzen, die ihrerseits wieder hinauf in alle höher gelegenen Hirnregionen reichen und die dort ablaufenden Prozesse beeinflussen. Wenn diese Zellen mit ihrem Gestrüpp von Fortsätzen zu feuern anfangen, wird das gesamte Gehirn sozusagen wachgerüttelt - höchste Alarmstufe. In Sekundenbruchteilen werden alle gespeicherten Informationen abgesucht, gleichzeitig wird über Nervenfortsätze, die in alle Regionen des Körpers ziehen, ebenfalls Alarm geschlagen. Jedes Organ versteht dieses Signal sofort. Die Nebennieren entleeren ihre Vorräte an Adrenalin, dem bekanntesten Stresshormon, in das vorbeifließende Blut. Das Herz beginnt wie wild zu schlagen, die Blutgefäße werden eng gestellt, die Muskulatur zum Sprung vorbereitet, Energiereserven der Leber mobilisiert, die Pupillen weit aufgemacht ...

 

In die AKUPUNKT-MERIDIAN-MASSAGE nach dem SYMBALLESTHAI-Prinzip übersetzt heißt das jene Punkte des

 

BLASENMERIDIANS

anzusprechen, die das Qi zu unseren Organen leiten [die folgenden Akupressur-Hinweise sind entnommen Eckert, Tao der Akupressur und der Akupunktur, 185 ff.):

  • So Blase 13, die zu akupressieren ist, wenn man keinen Ausweg mehr weiß, tiefe Verzweiflung sich eingestellt hat [die Situation der Krieger Sauls als sie sich Goliath gegenüber sehen]. Das Qi wird zur Lunge geleitet, die Atmung vertieft sich. Freie Atmung in den Lungenblasen lässt ein Gefühl von Weite und Erleichterung entstehen.
  • Blase 14: bei innerer Unruhe, Herzklopfen, bei Angstgefühlen ...
  • Blase 15 leitet das Qi zum Herzen, näherhin zur unbewussten Seite des Herzens: manche Menschen werden sich ihres Herzens bei diesen Punkten auf eine angenehme und freundlich entspannte Weise bewusst ...; [die Ehe-Aussicht bei David]; bei vielen aber sind diese Punkte die Rumpelkammer des Herzens, in der Erinnerungen an Enttäuschungen und Herz-Verletzungen lebendig sind: Traurigkeit über den Verlust einer großen Liebe, beklemmende Gefühle, Mühsal, gebrochenes, verhärtetes und bitteres Herz ... 
  • Blase 19 leitet das Qi zur Gallenblase: und lässt so [die von Goliath intendierte] Reizbarkeit, Jähzorn und explosive Wutausbrüche kanalisieren. Anstelle in Verspannungen im mittleren Rücken und Oberbauch zu verfallen wird Unternehmensgeist und Fröhlichkeit, Tanzen und Springen [Davids Zitherspiel] möglich ...

 

 

Diese Akupressurpunkte geben auch die Orientierung ab für den Einsatz der sonst üblichen Massageformen wie Segment- und Klassische Massage.

Auch die Fußreflexzonen-Massage wird an 'Blase' und 'Niere' orientiert.

 

 

* Zur Unterscheidung von Angst und Furcht :

Der als Wagnisforscher durch seine empirischen Studien zur Mentalität von Grenzgängern und Extremsportlern ... hervorgetretene "Siegbert A. Warwitz (3)  UNTERSCHEIDET DIE KONKRETE FURCHT [lateinisch timor] VON DEM BEGRIFF DER ABSTRAKTEN, DIFFUSEN ANGST, sowie von Panik oder Phobie. 

Furcht verfüge über einen innerweltlich erfassbaren Gegenstand, sei meist rational begründbar und auf ein Konkretum gerichtet, das als reale Bedrohung wahrgenommen werde. Sie werde deshalb auch als "Realangst" bezeichnet. Angst hingegen sei ein ungerichteter Gefühlszustand, der als Gestimmtheit die Welterschließung im Ganzen betreffe." (4) 

 

[1] Kohler-Spiegel, Helga: Es gibt viele Gründe, Angst zu haben (http://www.feinschwarz.net/es-gibt-viele-gruende-angst-zu-haben/30. Januar 2018)

[2] Art. "Knochenumbau" in wikipedia, Abfr. 8.2.18

[3] Warwitz, Siegbert A., Die Funktion von Angst und Furcht. In: Ders.: Sinnsuche im Wagnis. Leben in wachsenden Ringen. Erklärungsmodelle für grenzüberschreitendes Verhalten. 2. erw. Aufl., Verlag Schneider, Baltmannsweiler 2016, ISBN 978-3-8340-1620-1, S. 32–39

[4] Art. "Furcht" in wikipedia; Abfr. 10.2.17

[5] Besonders heftig wird dies wenn Ängstlichkeit auf Transzendentes Bezug nimmt: siehe dazu meinen Forschungsschwerpunkt: "Letal-Dispositionen im Gottesbild des Mittelalters und der Neuzeit: deren Implikationen im Rahmen der Entwicklung einer Sterbekultur" (https://kg-ktf.univie.ac.at/ueber-uns/wissenschaftliches-personal/hold/letal-dispositionen/)

[6] Als Aufsteigendes retikuläres Aktivierungssystem, kurz ARAS, bezeichnet man eine Gruppe diffus verteilter Kerngebiete in der Formatio reticularis, die für die allgemeine Aktivierung verantwortlich sind.

ARAS sendet aufsteigende Projektionen zum Thalamus, zum Corpus geniculatum laterale, zum lateralen Hypothalamus sowie im begrenzten Umfang zum basalen Vorderhirn und einzelnen Gebieten des Kortex.

Die Kerngebiete des ARAS erhalten Zuflüsse aus dem Tractus spinothalamicus, dem Tractus spinalis nervi trigemini, dem Nucleus tractus solitarii sowie von den Vestibularis- und Cochleariskernen, außerdem vom optischen sowie vom olfaktorischen System.

Das ARAS ist eng verknüpft mit Neuronenketten, welche vor allem monoaminerg und serotonerg sind. Zu den monoaminergen zählen der Locus caeruleus (Noradrenalin) sowie der Nucleus basalis Meynert (Acetylcholin). Serotonin wird von Raphekernen produziert. Diese Kernsysteme sind maßgeblich an den Funktionen des ARAS beteiligt, obwohl sie nicht Teil des Systems sind.

Eine Stimulation der Neurone der Kerngebiete oder ihrer Fasern bewirkt eine Aktivierung autonomer und motorischer Systeme. Dadurch wird der Organismus von einem "wachen Ruhezustand" in einen Zustand erhöhter Aufmerksamkeit versetzt. In Folge dessen steigt die Wachheit, über den Hypothalamus werden vegetative und endokrine Funktionen ausgeübt und über das limbische System mit emotionalen und affektiven Reaktionen verbunden.

[7] https://cordis.europa.eu/article/id/34812-scientists-investigate-why-people-remain-anxious/de